Skitourenwoche Berwang, Zugspitz Arena Tirol (A)

Samstag, 22. Februar – Samstag, 29. Februar 2020

Bergführer/Organisator: Jürg Martig

Teilnehmer: Kurt Binggeli, Kathrin Burkhard, Martin Dähler, Marianne Goetz, Chrigu Karlen, Ueli Lehnherr, Konrad Schüpbach, Georg Steigmeier, Franz Weibel und Peter Zurbrügg

Anreise

Der Zielort Rinnen bei Berwang im Tirol musste schwer verdient werden. Nachdem die Busbatterie repariert war und wieder genügend «Pfuus» hatte, konnte mit 1 ½ stündiger Verspätung in die Senioren-Tourenwoche 2020 der „Nieseler“ gestartet werden. Die Fahrt mit Chauffeur Jürg Martig führte über Bern – Zürich – St. Gallen – Bregenz – Memmingen – Kempten durchs Allgäu, mit Grenzübertritt in Füssen (D), nach Rinnen bei Berwang (A), total rund 440 km. Was so zügig tönt, entpuppte sich als rund 7stündige Fahrt mit vielen Staus, auf Schweizer- wie auch auf Deutscher Seite.

Um 17.40 Uhr sind wir beim Hotel Thaneller in Rinnen kurz nach Berwang angekommen. Berwang ist eine Gemeinde mit 591 Einwohnern im Bezirk Reutte im Tirol. Der Ortsname leitet sich von ber (Bären) und wang (Wiese) ab. Die Gemeinde Berwang lebt vor allem vom Winter- und Sommertourismus in der Zugspitz Arena Tirol. Der Weiler Rinnen (1’262 m) ist ein Ortsteil der Gemeinde Berwang.

Standort und Unterkunft

Logiert wurde im ****-Hotel Thaneller. Der Thaneller ist der Hausberg der Gemeinde Berwang mit einer Höhe von 2,341 m. Das «Thaneller» verfügt über 200 Zimmer in heller, behaglicher Fichte. Zum Hotel gehört auch die höchstgelegene Brauerei Österreichs, wo 3 köstliche Biersorten gebraut werden. Ein Teil der Skitourengruppe liess es sich Ende Woche nicht nehmen, an einer geführten Brauereibesichtigung teilzunehmen.

Bei der Wirtefamilie Zobl und ihren vielen Mitarbeitern/innen durften wir viel Gastfreundschaft erleben. Wir genossen jeweils ein feines 4-Gang-Abendessen (vorab immer ein Salatbuffet) und auch immer ein reichhaltiges Frühstücksbuffet. Das Abendessen wurde jeweils im «Heustadl» serviert, ein rustikaler Veranstaltungssaal mit Bar, wo der Wirt Gustl zusammen mit seinem Musikpartner jeweils am Mittwoch- und Samstagabend als «Berwanger Lederhosen-Duo» auftritt.

Touren, Gipfel, Wetter, Schneeverhältnisse und Corona-Krise

Die Tiroler Zugspitz Arena ist eine bekannte Wintersportdestination, deren traditionelle Dörfer in einem weiten Talkessel am Fuße der Zugspitze liegen. Skitourenfahrern bieten sich zahlreiche schöne Möglichkeiten für unterschiedlich anspruchsvolle Skitouren.

Die diesjährige Tourenwoche war eher von schlechtem Wetter geprägt. Trotzdem konnte an jedem Tag eine Tour unternommen werden, und schlussendlich resultierten auf 6 Touren 5 Gipfel, wobei jeweils alle Teilnehmer/innen den Gipfel erreicht haben. Sämtliche Gipfel gehören zu den Lechtaler Alpen, mit Ausnahme der Krinnenspitze am Freitag (Allgäuer Alpen). Das Galtjoch wurde 2 x angegangen, mit unterschiedlichen Abfahrten und auch ganz unterschiedlichen Schneeverhältnissen. Immerhin hat der Himmel bei 2 Abfahrten aufgerissen und die Sonne durchgelassen, und zweimal stimmten mit Pulverschnee sogar die Schneeverhältnisse…..

Vom Corona-Virus hörten wir, klopften Sprüche, setzten auf Marillen-Schnaps und ahnten nicht, dass es für die einen oder anderen die letzten Touren waren für die Saison 2019/2020 – «Bleiben Sie zu Hause!».

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Unsere Tourenwoche der Reihe nach:

Für die erste Tour am Sonntag nahmen wir das Galtjoch (2‘109 m.ü.M) unter die Felle. Mit dem Bus fuhren wir vom Hotel hinunter in den Talboden zum Weiler Rauth an den Bergbach Rotlech (PP = 1’157 m). Bei ziemlichem Regenfall und schlechten Wetterprognosen ging es über eine Forststrasse hinauf vorerst bis auf die Ehenbichler-Alm (1’694 m). Warum nur schwirrte mir beim Aufstieg die ganze Zeit Drafi Deutscher’s Marmor-Liedli «Weine nicht, wenn der Regen fällt, dam-dam, dam-dam….» im Kopf herum. Nach der Einkehr in der Ehenbichler-Hütte hat der Regen zwar aufgehört, aber zusammen mit dem weiteren Aufstieg hat auch der Sturm zugenommen, und auf dem breiten Ostgratrücken zum Gipfel musste man sich richtiggehend gegen die Sturmböen stemmen. Nach einem kurzen Umrüsten folgte die Abfahrt in durchnässtem, harzig zu fahrenden Schnee. Mehr gibt es dazu nicht zu schreiben.

Zurück beim Bus fuhren wir über Rinnen nach Berwang, um im Café-Restaurant «Sportstüble» einzukehren.

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Am Montag war eigentlich der Kalte Stein vorgesehen (2’145 m.ü.M). Nach dem Morgenessen fuhren wir ins Namloser Tal, bis zu einem Schuppen des Strassenunterhalts an der Berwang-Namloser-Landstrasse (1’350 m). Mit aufgezogenen Fellen ging’s nun wiederum bei Regen und sehr warmem Wetter eine Forststrasse hoch. Am Ende der Forststrasse auf einem Holzlagerplatz angelangt, mussten wir feststellen, dass die vom Wirt Gustl beim Bürgermeister von Namlos freundlicherweise eingeholte Auskunft von wegen genügend Schnee falsch war. Vor uns lag ein steiler, südseitiger und daher ausgeaperter Wald. Es blieben zwei Möglichkeiten: Abbruch der Tour oder Änderung des Tourenziels, mit einer «attraktiven» Querung des Engelbach-Grabens, um auf gegenüberliegende Aufstiegsroute zur Engelspitze (2’279 m.ü.M) zu gelangen. Was mit «Engelbach» eigentlich lieblich tönt, war doch eine gewisse Herausforderung.

Angekommen auf der Aufstiegsroute zur Engelspitze, zogen wir in sehr schönem Skitourengelände weiter in Richtung Gipfel. Während der Gipfelrast reisst es zunehmend auf und wird sonnig. Es folgte eine einigermassen machbare Abfahrt auf der Aufstiegsroute, trotz schwerem Schnee. Und zu unserer Abfahrt gehörte auch wieder die Bachquerung….. Wieder beim Holzlagerplatz angelangt, konnten wir bei nunmehr strahlendem Wetter eine weitere Rast und vor allem auch den Whisky von Konrad geniessen, bevor wir über die Forststrasse wieder zum Bus abgefahren sind.

In Kelmen sind wir im Gasthaus «Wildspitze» eingekehrt, wo wir auf der sonnigen Terrasse vom dortigen Wirt gute Tipps für weitere schöne Touren bekommen haben.

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Der Dienstagmorgen präsentierte sich nun doch etwas kälter, aber immer noch stark bewölkt. Auf dem Programm stand die Hintere Steinkarspitze (2’225 m.ü.M.). Mit dem Bus fuhren wir auf einen Parkplatz kurz vor Kelmen (PP = 1’357 m). Die Felle angeschnallt, stiegen wir einmal mehr über eine Forststrasse auf, abkürzend auch über lichte Waldungen und kleine Wiesen. Oberhalb der Waldgrenze erreichten wir das Kelmer Joch. Statt in einen Kessel abfahren und wieder aufsteigen zu müssen, liessen es die günstigen Verhältnisse zu, den Kessel unterhalb der Knittelkarspitze steil zu traversieren. Nach dem Kessel folgten die letzten 350 Höhenmeter über einen gleichmässigen Gipfelhang, der zeitweise doch bis zu 35 ° aufwies.

Für die Abfahrt wählten wir das Rotbachtal, welches Richtung Rinnen verläuft. Die Abfahrt auf der gefrorenen Schneedecke ratterte etwas. Auf rund 1’720 m machten wir bei einer Almhütte unsere Mittagsrast, mit Blick auf die Hintere Steinkarspitze, welche von dieser Seite doch recht alpinistisch wirkte. Weiter ging es dem Rotbach entlang das zunehmend enger werdende Tal hinunter, und bei den diversen Bach- und Gräbliquerungen, über und unter Fallholz durch, durfte man sicher von «anspruchsvollerem Altersturnen» sprechen. Nichtsdesto-trotz: eine sehr gute Tour!

Zurück auf dem Parkplatz beim Weiler Rauth (Start der Tour vom Sonntag) warteten dort Chrögu und Franz. Sie sind die Aufstiegsroute zurückgefahren, um in Kelmen den Bus abzuholen. Den zufriedenen Gesichtern nach trafen die beiden bei ihrer Abfahrt durch die lichten Waldungen und Weiden offenbar auf recht gute Schneeverhältnisse.

Für das wohlverdiente Zvieriplättli, gespendet von Konrad, fuhren wir auf einer schmalen Bergstrasse in den kleinen Weiler Mitteregg, zur Jausestation Welcher.

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Zielort am Mittwoch war die Bleispitze (2’225 m.ü.M.). Gestartet wurde bei recht schönem Wetter beim Weiler Bichlbächle (1’278 m). Auf einer dünnen Neuschneeauflage von ca.

8 cm ging es dem Weittalbach entlang. Das Weittal war überhaupt nicht weit, und nach etwa 40 Minuten Gehzeit musste rechts über die «Via Alpina» steil auf die Bichlbächler Alpe hochgestiegen werden (Skitragepassage). Die Skier wieder an den Füssen, schien die Sonne (noch) auf die sehr schön gelegene und wunderbar verschneite Alm (1’580 m) mit den

10 Hütten. Nach einer kurzen Teerast stiegen wir über einen leicht bewaldeten Rücken auf und weiter über offenes Gelände Richtung Sommerbergjöchle, zum Schluss immer steiler und auf eisiger Unterlage, weil abgeblasen. Dabei verschlechterte sich auch das Wetter von Westen her zusehends, und kurz nach dem Passübergang des Sommerbergjöchles auf ca. 2’010 m musste die Tour bei starkem Schneefall, heftigem Sturm und dichtem Nebel abgebrochen werden. Schnell umrüsten und weg aus dieser unwirtlichen Gegend war angesagt.

Durch den heftigen Schneefall ist in kurzer Zeit zwar ein schöner Pulverschnee zusammengekommen, nur konnte dieser nicht genossen werden. Durch den Nebel und damit bei schlechter Sicht gestaltete sich die Abfahrt über die ersten Hänge doch recht abenteuerlich. Weiter unten, mit den ersten Tännchen als Anhaltspunkte, wurde es dann doch besser. Zurück an der Waldgrenze, mussten die Skier nochmals durch das steile Waldstück hinuntergetragen werden, bevor durch das Weittal hinaus zum Bus abgefahren werden konnte.

Zurück in Berwang, kehrten wir im Café «Kaffeemühle» ein.

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In der Nacht auf Donnerstag hat es geschneit! Bei ca. 25 cm Neuschnee im Weiler Rinnen und anfänglich gutem Wetter fühlt sich eine Skitour doch ganz anders an als bei Dauerregen. So entschieden wir uns nochmals für das Galtjoch (2’109 m.ü.M.), das Tourenziel vom vor-angegangenen Sonntag. Wir starteten dieses Mal direkt vom Hotel aus (1’262 m), weil die schmale und kurvige Strasse hinunter an den Rotlech Bach schneebedeckt war. Zuerst genossen wir also eine Abfahrt über verschneite Matten, bevor die Felle aufgezogen wurden (1’157 m). Wiederum ging es über die Forststrasse hinauf Richtung Ehenbichler Alm. Auf einer Höhe von 1’320 m.ü.M. kann der Weg über die offene Weidefläche der Rotbach Alm abgekürzt werden, und beim Anblick dieses frisch verschneiten Hanges sind Chrögu, Franz und Martin vorausgeeilt, um ihre Spuren ein erstes Mal in den Schnee zu ziehen. Franz und Chrögu liessen dabei ihre Rücksäcke oben unbeaufsichtigt, und so kam es, dass die nachsteigende Gruppe die Rucksäcke mit je 3 Holzscheitern aus einer nahegelegenen Scheiterbeige füllte. Die Scheiter blieben bis zur Einkehr in die Ehenbichler Hütte rund 300 Höhenmeter unbemerkt, 1 Holzscheit schaffte es unentdeckt sogar bis auf den Gipfel.

Beim Aufstieg zum Galtjoch wurde das Wetter wiederum stürmischer, mit einem richtigen Wetterumsturz auf dem Gipfel. Und so wurde baldmöglichst die Abfahrt angetreten, dieses Mal südostseitig durch recht viel Pulverschnee, in den oberen Hängen begleitet mit stürmischen Winden. Weiter unten gelangten wir wieder auf den Weg von der Hinteren Steinkarspitze her, mit den bekannten Wald- und Grabenpassagen.

Zurück beim Ausgangspunkt blieb noch der kurze Gegenaufstieg (ca. 100 Höhenmeter) zum Hotel, nicht ohne vorher in der Rimmelstube einzukehren.

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Die Tour am Freitag führte auf die Krinnenspitze (2’000 m.ü.M.).  Beim Morgenessen konnte man durch das Fenster noch dicke Schneeflocken beobachten, aber die Wetteraussichten versprachen für den Tagesverlauf zunehmend Aufhellungen. Die Krinnenspitze liegt in den Allgäuer Alpen, weshalb die Anfahrt über Reutte auch etwas länger dauerte. Gestartet sind wir im Dorf Rauth (1’146 m). Der Aufstieg führte teilweise über eine Forststrasse und über den Sommerweg durch den Wald. Auf der Rauther Alpe öffnet sich das Gelände, und es wurde zunehmend sonniger! Über die schönen und frisch verschneiten Hänge geht es der Krinnenspitze zu. Mit einem letzten steilen Aufschwung gelangen wir auf den breiten Südrücken, der aber doch ziemlich abgeblasen ist. Zu Fuss erreichen wir nach etwas über 100 m das Gipfelkreuz der Krinnenspitze. Erstmals in dieser Woche konnten wir unsere Mittagsrast bei strahlendem Sonnenschein und windstill auf dem Gipfel geniessen, bei einer prächtigen Fernsicht.

Die anschliessende Abfahrt in wunderbarem Pulverschnee war ein wahrer Genuss und entschädigte für die teilweise eher schlechten Schneeverhältnisse bei den vorangegangenen Tagestouren. Ein schöner Hang nach dem anderen folgte. Wir hielten uns dabei westlich, weil die Karte dort unter der Waldgrenze mehr offene Waldschneisen zeigte. Es folgte trotzdem einmal mehr eine etwas mühsame Waldpassage, wo wegen der eher dünnen Schneeunterlage und dem dichten Wald zeitweise die Skier getragen werden mussten. Ein letzter vorsichtiger Rutsch über die Böschung, und wir landeten endlich wieder auf der Forststrasse, auf welcher wir die letzten Meter nach Rauth zum Bus gefahren sind.

Auf der Rückfahrt kehrten wir im «Gaichtpass-Stüberl» ein und stiessen auf eine äusserst gelungene Tour an.

Rückreise

Am Samstag, 29. Februar 2020, um 09.00 Uhr, war schon wieder die Rückreise angesagt. Die Rückfahrt führte über die gleiche Strecke, die uns auch schon nach Berwang geführt hat. Am Bahnhof in Kempten haben wir uns von Jürg Martig verabschiedet, welcher von dort zur nächsten Skitourenwoche reiste, wo er als Bergführer gebucht war. Das Steuer im Bus übernahm Chrögu.

Die Rückfahrt über Bregenz – St. Gallen – Zürich – Bern verlief reibungslos, und im Verlaufe des Nachmittags sind alle gesund und munter in Spiez eingetroffen, wobei sich der Schreiberling bereits bei der Ausfahrt Bern Ostring von der Tourengruppe verabschiedet hat.

Dank

Einmal mehr geht ein herzliches Dankeschön an Jürg Martig, einerseits für die Organisation der Tourenwoche, anderseits aber auch für seine verantwortungsvolle und umsichtige Leitung der Touren. Jürg gelingt es als erfahrener Bergführer immer wieder, mit Rücksicht auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Ansprüche der Tourengruppe tolle Touren zusammenzustellen, und last but not least, einen guten Riecher hat für schöne Abfahrtshänge.

Tourenziel Höhe ü.M. Aufstieg ì Abfahrt î Zeit
So. Start Weiler Rauth (1‘157 m) – Galtjoch 2’109 m 1’050 m 1’050 m 5 Std. 37 Min.
Mo. Start Namlos (1‘350 m)  – Engelspitze 2’279 m 1’000 m 1’000 m 6 Std. 05 Min.
Di. Start Kelmen (1‘357 m)  – Hintere Steinkarspitze 2’225 m   950 m 1’200 m 5 Std. 10 Min.
Mi. Start Bichlbächle (1‘278 m) – Sommerbergjöchle 2’010 m   800 m   800 m 4 Std. 20 Min.
Do. Start Weiler Rauth (1‘157 m) – Galtjoch 2’109 m 1‘150 m 1‘150 m 6 Std. 12 Min.
Fr. Start Dorf Rauth (1’146 m) – Krinnenspitze 2’001 m   870 m    870 m 5 Std. 18 Min.

 

6 Touren, 5’820 Höhenmeter, 6’070 m Abfahrt, ca. 33 Stunden unterwegs und an der frischen Luft. Mehr als 80’000 Schritte und unzählige Kurven; leider zu wenige im Pulverschnee.

Peter Zurbrügg, Rüeggisberg

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