Tourenbericht Kamaradenrettung

Um 8 Uhr ist Treffpunkt am Bahnhof Spiez. Oh jeminée – hier treffen sich heute die Fans des Chuonisbärgli, die mit dem Bus nach Adelboden raufchauffiert werden und auch die Berg-Welt Winterleiter, die sich hier zum Lawinen-Kurs versammeln. Bei so vielen Leuten wird’s schon fast schwierig, die „Nieseler“ zu finden. Den Meisten gelingt es rechtzeitig – doch unser heutiger Chef ist auch um 8:05 Uhr noch nicht da. Ob er das wieder gutmachen kann??? (Es sei an dieser Stelle verraten: JA, er kann!). Kusi findet uns dann doch noch. Wir verteilen uns auf die Autos und ich vermute, einige sind froh, bei der bereits teilweise angeheiterten Bahnhofs-Hintergrund-Adelboden-Musik in ein anderes Tal fahren zu dürfen…

In der schattigen Grimmialp gibt’s einen ersten „Theorie- und Kennenlern-Block“. Und wer jetzt denkt, dass wir da gemütlich beim Kaffee im Beizli sitzen durften, der/die irrt sich gewaltig. Steinhart stehen wir (wir sind übrigens 13 Personen) hinter dem Brüggli beim Parkplatz, hören zu, diskutieren und „chnüble“ ein erstes Mal am LVS herum. Aha – das erste LVS will nicht. Also Batteriewechsel. Man merke: Reservebatterien können sehr hilfreich sein – auch auf Tagestouren.

Durchgefroren geht’s endlich los Richtung Alpetli. Was für eine Wohltat, als endlich die Füsse und die Finger wieder durchblutet werden und sich vehement ins Bewusstsein zurückmelden…

Beim Alpetli scheint die Sonne. Während die Einen verschwitzte T’Shirts und Handschuhe zum Trocknen aufhängen oder mal etwas Energie zuführen, verschwindet Kusi hinter die Hütte und ruft schon bald um Hilfe. Seine zwei Kollegen wurden verschüttet (da es sich um Trump und Erdogan handelt, lassen wir sie im Schnee und gehen weiter…). Nein, logischerweise nicht. Wir formieren einen – wie wir später sagen „Hühnerhaufen“ – unter einer Chefin, die Kommandos gibt und den Überblick behält und wir bergen die unglücklich Verschütteten rechtzeitig. Weiter geht’s mit Theorie, üben, schauen, wie das LVS reagiert und vielen Aha-Erlebnissen.

Kurz bevor die Sonne hinter dem Ankestock verschwindet, steigen wir weiter auf zur nächsten Hütte. Diese liegt wunderbar in der Sonne. Während wir das Mittagessen geniessen, verschwindet Kusi wieder und präpariert die nächsten Übungen. Er zeigt uns ein Feld, bei dem wir später Suchen und Sondieren üben können – doch zuerst müssen wir weiter zum nächsten Unfallort. Da wurde wieder eine Person verschüttet, die Sondierstange zeigt den Ort an – und nun heisst es schaufeln. Und schaufeln und schaufeln und schaufeln… Unbarmherzig treibt uns Kusi an, immer wieder klingt es „wechseln“ und wir rotieren in den Schaufel-Positionen. Schwitzen, stöhnen, staunen… Schlussendlich kommen wir nach ca. 2 Metern endlich auf einen Stein (für uns dann der Kopf des Verschütteten und damit endlich das Zeichen für den Schaufel-Stopp). WOW – das war SEHR eindrücklich! Was es alles braucht, um so viel Schnee zu bewegen…
Ein Teilnehmer stellt sich dann freiwillig zur Verfügung, sich im Loch mit Schnee zudecken zu lassen. Seine Partnerin hat ihn dann mit viel Freude als Erste mit der Sondierstange gesucht – und auch gefunden und ein bisschen „gestochert“ (grins). Auch die Andern durften dann den Unterschied beim Sondieren 1:1 ausprobieren. Merci dem furchtlosen Probanden!

Nachdem wir das Mega-Loch wieder zugeschaufelt haben, damit kein Türeler hier einen unfreiwilligen Flug nimmt, demonstriert Kusi uns den Patientencheck. Mist – nun verabschiedet sich auch hier oben die Sonne und wir bibbern vor uns hin. Nachdem die Patientin jedoch gesund und munter aufgestanden ist, dürfen wir uns wieder bewegen. Wir steigen nochmals kurz auf – denn Kusi hat etwas von einem „steilen Couloir“ gesagt – und das wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Kusi prüft die Verhältnisse und gibt grünes Licht. Juhuiiiiii – aber doch sehr steil. Mit mehr oder weniger eleganten Schwüngen und mit etwas Abrutschen kommen alle heil runter. Nur gut erwischt es einen guten Skifahrer, dass sein Ski sich nach einem Sturz verabschiedet und alleine den Hang runter saust – ab in den Wald. Der Held des Tages kurvt gekonnt auf 1 Ski hinterher… Das Strässli zurück runter in die Grimmialp kommt einer – zwischendurch eisigen – Piste gleich und wir meistern es alle prima.

Zum Abschluss des Tages gönnen wir uns feine Nussgipfel und etwas Flüssiges im Restaurant Eggli. Es war ein rundum gelungener Tag in unserer schönen Bergwelt – mit einem schwierigen Thema. Eine Teilnehmerin meinte sinngemäss: „Der heutige Tag hat einmal mehr klargemacht, warum ich unter keinen Umständen in eine Lawine kommen will“. Genau.

Ein grosses MERCI unserem Chef Kusi für die umsichtige und abwechslungsreiche Tagesgestaltung sowie für die vielen interessanten Infos, Übungen und AHA-Erlebnisse! Und ein genau gleich grosses MERCI an alle Kurs-Teilnehmenden für das engagierte Mitmachen und Mitdenken sowie für das angenehme Miteinander. Es hat Spass gemacht!

Manuela

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